Glücksmomente

Es gibt diese Tage, an denen die Arbeit wirklich stressig war, fordernd – Überstunden – und dann habe ich es geschafft. Ich trete hinaus auf die Straße und die untergehende Sonne grüßt mich über die Dächer der Neustadt hinweg. Die Silhouette der St. Pauli Ruine hinter mir lassend schwebe ich langsam die Königsbrücker hinunter. In diesen Momenten beginnt das Glück aus mir heraus zu brechen.
Im Ohr Godspeed You! Black Emperor, Storm. Im Herz das Feuergeschenk des Tagessterns. Egal wie kalt es ist, wie stürmig, in diesen Momenten könnte ich weinen, vor Glück, vor Erfüllung. Es ist als wäre mein Leben ein Film, alles um mich herum passiert für mich. Als ob die Straßen Teppiche wären, nur für mich ausgelegt, als ob die Lichter nur für mich leuchten und der Lärm der Welt still geworden ist.

Zu Hause; angekommen. Einfaches Abendessen, wie so oft. Nur Pasta, Pesto, Rotwein, dennoch ein Festmahl, als ob dies das letzte Mal auf Erden ist, dass ich etwas schmecken werde. Meine Henkersmahlzeit. So gut, so viel Geschmack, so glücklich. Ich trete hinaus auf den Balkon in die Kälte; der Mond hat sich über die Dächer geschoben und strahlt golden in das zartrosa Nachtblau der Stadt. Das Aroma von fruchtig herbem Alkohol explodiert in meinem Mund. So viel Glück. So viel Glücklichsein. Mein Herz steht in Flammen. Lichterloh. Ein Leuchtfeuer in die heraufziehende Nachtkälte.
„Mann, ich hab alles. Alles.“ Mehr Glück, und ich bin sicher, ich würde auf der Stelle zerspringen. In tausende Glassplitter die glühend auseinanderstoben und kurz bevor sie klirrend auf dem Boden aufschlagen, jeder einzelne Splitter zu einem goldgelben Schmetterling wird, dem Mond entgegenfliegend. Einsam bahnt sich eine Träne den Weg, meine Wange hinunter bis zur Lippe.
Dann, in diesem imaginären Spotlight des Schicksals stehend, frage ich mich wie es dir geht. Dort drüben, in der anderen Stadt. Die Stadt die ich nur feindlich, fremd, grau und kalt kenne. In der du der einzige Mensch bist. Geht es dir genau so gut wie mir? Kann es das überhaupt?

Ich weiß warum mich dieses Glück nicht zermalmt wie zwischen Hammer und Amboss; ich weiß warum mein Herz nicht stehen bleibt. Weil etwas zu dem Moment fehlt, an dem meine Existenz komplett wäre. Nichts mehr hinzuzufügen. Glücklich. Die Geschichte wäre erzählt, das Schicksal geschrieben. Der Moment in dem die Nornen aus meinem Schicksalsfaden Gold gesponnen hätten.

Du fehlst.

— Drake Rubicon

Wildsmile

Grinsekatze_trans1

Bald ist es ein Monat, den ich dort arbeite.
Wildsmile Studios. Dort werde ich auch den Großteil der nächsten drei Jahre verbringen. Jetzt, nach einem Monat Praktikum dort, scheint es als ob ich jeden dieser Tage voll und ganz genießen werde.

Es ist unglaublich und ich hätte nicht für möglich gehalten, wie frendlich und herzlich man dort aufgenommen wird. Alles wie eine große Familie. Offen, nett, wahnsinnig kreativ und nie irgendwie langweilig.
Ich weiß nicht, was ich dort genau mache, denn es fühlt sich nicht wie Arbeit an. Arbeit war in meinem bisherigen Leben immer irgendwie damit verbunden etwas zu tun, was ich eigentlich nicht wollte. Geld bekommen für etwas das mich weder weiter bringt oder mich glücklich macht, das war Arbeit.

Und jetzt? Ich setzt Sticker auf Druckbögen, bearbeite sie, bereite Ausstellungen mit vor, werde Siebdrucken, am Ende des Jahres höchstwahrscheinlich auf dem Chaos Communication Congress sein. Es ist unglaublich wieviel Spaß und Freude mir die ganze Sache macht. Irgendwie glaube ich selbst noch kaum welchen Wink mit dem Zaunspfahl mir das Schicksal da gibt.

Zu den Wildsmile Studios gehört Stickma, das Stickermonster, Tapethat, Die Siebdrucker, das Klebstoff-Magazin, Super Ideal und nicht zuletzt das relativ neue C.Rockefeller Center for the Contemporary Arts. Außerdem werden von Stickma jedes Jahr die International Sticker Awards ausgelobt. Was das alles für mein über die letzten Jahre deutlich gewachsenes Interesse für Streetart bedeutet kann ich kaum abschätzen, ich komme mir immer noch vor als würde ich träumen – tagsüber.

(What changed, what stayed, what the fuck – Part 1)

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What I’ve learned – 2009

Dieses Jahr war irgendwie anders, als die Jahre davor. Ja, klar, das ist wohl jedes, doch irgendwie habe ich dieses Jahr einige Dinge über mich selbst und andere gelernt, die mir in den 22 Jahren davor verschlossen blieben. Teils sind das kleine Dinge, die eigentlich nicht weiter zählen, teils aber auch große Dinge die mir nun am Herzen liegen.
Einige dieser Sachen möchte ich nun mit euch teilen:

Twittern schadet meiner Blogging-Frequenz und dennoch macht es viel Spaß und ermöglicht mir Kontakte zu wahnsinnig vielen interessanten Menschen (An dieser Stelle: Danke an all jene).

Bei den meisten Menschen dreht sich in Gedanken alles nur um Geld. Oft weil sie unheimliche Angst haben. Die Leute die keine Angst haben, reden nicht übers Geld sondern über wirklich wichtige Dinge. Geld ist sowieso fast komplett egal, wenn man etwas erreichen will, denn der Wille bereitet den Weg, nicht die bunten Scheine.

Es gibt Menschen, mit denen habe ich nur zu tun, weil ich mit ihnen verwand bin. Wäre das nicht so, würde ich ihre menschenverachtenden Ansichten auf das tiefste verabscheuen. Leider kann ich das der/den betreffenden Person/en niemals ins Gesicht sagen, da das nicht nur die betreffenden verletzen würde sondern auch einige andere.

Viele meiner Freunde bedeuten mir mehr als ich dachte. Weswegen mir auftauchendes isolatorisches Verhalten in meinem alten Freundeskreis sehr schade erscheint. Viele scheinen alte, oft alberne Konflikte noch nicht niedergelegt zu haben, obwohl wir eigentlich längst darüber stehen müssten.

Allein ist man stark, wenn der Wille stark genug ist, aber zusammen kann man Dinge bewegen die vorher festzementiert zu sein schienen.

Es wird immer Menschen geben die dich niemals in ihren oder deinem Leben verstehen können, egal wie gut und durchdacht du dich und das was du tust erklären kannst.

Wir Kerle müssen den ersten Schritt machen.

Es gibt im Leben Zufälle, die schicksalhaft erscheinen. Deshalb wird jeder Raphael an einen Asmodeus geraten.

Es wird sich nie wirklich lohnen etwas zu tun, hinter dem man nicht voll und ganz steht. Alles mit Zwang steht unter einem Druck der es am Ende Scheitern lässt. Nur unter Freiheit kann Weiterentwicklung und somit schließlich ein Fortschritt entstehen.

Ich habe ein wunderbares Leben und alles was ich brauche. Ich bin glücklich, viele, viele Tage des Jahres. Alles was jetzt noch kommen mag ist ein wundervoller Bonus.

Der Jugend wird immer der Makel des Fehlers anhaften, egal wie rein die Gedanken sind, wie logisch die Tat oder wie ethisch das Verhalten. Allein der Jugend willen wird für das Alter immer Tadel übrig haben, blind den eigenen Weg zurückzuverfolgen und ebenso blind für das Neue.

Es kümmern sich mehr Leute um mich als mir lieb ist, doch von ihnen hören mir die meisten nicht fünf Minuten ungestört zu um zu wissen, was ich eigentlich will.

Ich habe keinen Plan für das Leben und das ist auch gut so. Ich habe einige Ziele, die einen groben Weg abstecken, sie hindern mich aber niemals dabei abseits des Weges das versteckte, schöne und geheimnisvolle zu entdecken.
Das werden viele Menschen denen ich begegne niemals verstehen.

Angst zu haben ist weder schlimm, noch schadet es. Die Angst ist zwar kein Freund, aber auch kein Hindernis. Man überwindet sie oder scheitert daran se zu überwinden. Dafür sind die Siege oder Niederlagen gegen diesen Kampfgefährten einige der wichtigsten Lebenslektionen die man lernen kann.

Es gibt kein wirkliches Erwachsen-sein, sondern entweder nur bemitleidenswerte Menschen die das Leben unwahrscheinlich hart gemacht hat oder Menschen die aufs kotzen-komm-raus versuchen „erwachsen“ zu sein. Warum das auch nur eine Sekunde erstrebenswert sein soll verschließt sich mir bisher, und irgendwie bemitleide ich diese Menschen auch, denn ihnen ist das „Feuer“ verloren gegangen.

Technologie ist das einzige was uns von den anderen Lebewesen dieses Planeten unterscheidet. Schlussendlich wird es wohl auch die Technologie sein, die es uns ermöglicht selbständig zu definieren wer wir sind und was wir sein wollen. Vielleicht das zu werden was wir immer sein wollten: Etwas Besonderes, Außergewöhnliches, das über der biologischen Evolution steht.

Freunde sind in bestimmten Situationen wichtiger als Familie.
…wird evtl. fortgesetzt. Bis dahin: Ein frohes neues Jahr euch da draußen. Haltet die Faust oben!

Besondere Menschen

Es gibt Menschen, die haben dieses Besondere an sich. Dieses eine gewisse Etwas, das sie von allen unterscheidet. Ein Funken, nein, eine Flamme in ihren Augen. Eine Flamme du unablässig lodert, heiß und oft unglaublich blendend brennt.

Diese Menschen sind nicht immer angenehm, ihr Wesen regt auf und tief im Inneren stoßen sie bei dir Denkprozesse an, die vorher nicht da waren. Unangenehme Gedanken denen man sich aber stellen muss.

Dennoch, diese Menschen inspirieren, sie wirbeln durch dein Leben und machen alles frisch, neu und ungewohnt. Die Dinge die sie dir zeigen erscheinen, als ob sie von irgendwo her beleuchtet würden, egal wie klein sie sind.

Sie strahlen alle möglichen Emotionen aus, in einer Art und Weise, dass du Angst bekommst, weil alles so wahnsinnig intensiv ist. Liebe, Hass, Wut, Freude in noch nie da gewesener Stärke.

Ich freue mich solche Menschen zu kennen, täglich mit ihnen umzugehen und ich bin so wahnsinnig glücklich jeden Tag mit so einem Menschen reden zu können. Jemandem mit dem jeder Moment besonders ist. Nicht immer Einfach, aber unglaublich intensiv.

Dies ist ein erstes und kleines Danke, an jene Menschen und an den einen ganz besondern.

Nation of Bloggers

Das Video wirde mir gerade zugespielt und ich musste es sofort Bloggen, weil das meiner Meinung nach ein wichtiges Thema ist, das ich auch schon seit einiger Zeit verfolge.
Der Iran ist so gespalten wie selten zu vor. Viele Teile der Bevölkerung befürworten nicht die Außenpolitik oder die Kulturpolitik ihres Landes. Doch der Widerstand gegen das was der amtierende Präsident anrichtet ist nicht leicht und meines Wissens nicht größer organisiert. Aber er ist aktiv und das schon seit Jahren.
Wir können nur hoffen, das die Gedanken von Freiheit und Gleichheit sich über die Blogs im Land ausbreiten und bei der nächsten Wahl weniger extremistische Kräfte gewinnen. Denn der Iran ist immerhin noch ein demokratisches Land.

edit1:
Hier mal eine Analyse und Map der iranischen Blogosphäre. Ist zwar schon ein paar Monate alt, passt aber wunderbar zum Thema.

edit2:
So der Artikel ist (wieder?) online. Nachdem mein crappy Internet in Kooperation mit WordPress ihn gefressen hatten -.- 

Ein Stapel voller Ideen

Starry Night (by Andross01)
Der Countdown läuft. Am 05. März habe ich meine letzte Prüfung. Noch etwa zwei Wochen also bis wir es Dresden so was von rocken lassen, dass Katys, Metronom und das U-Boot nie wieder die selben Clubs sein werden. Ich brenne jetzt schon seit Anfang der Prüfungszeit darauf wieder mal eine verrückte Nacht durchzufeiern, abzustürzen und am nächsten Morgen aufzuwachen und nicht zu wissen wo man ist. In einem anderen Bett? In meinem Bett? Wo ist der Kaffee? Ein furioser Auftakt der vorlesungsfreien Zeit in der ich endlich das machen kann was sich die letzten Monate angesammelt hat. Eine Zeit in der es kein prokarstinieren gibt, weil alles was man tun möchte auch Spaß macht.

Ich schreibe diesen Eintrag als eine kleine Erinnerungsstütze weil ich mich nicht auf verschwindende ToDo-Lists und Erinnerungsfetzen verlassen möchte und es auch sicher interessant für euch da draußen ist, was ich so alles anstelle, wenn ich kann. Außerdem ist heute einer der Tage an denen ich so richtig gut drauf bin und ich mehr als eine Welt umarmen könnte, nicht nur weil das Frühstück so lecker war, Jeriko mich empfohlen hat (Was für mich und meinen Blog der gerade mal zwei Monate alt ist eine gigantische Ehre ist) und ich deswegen heute Morgen drei mal quer durch die WG getanzt bin sondern auch weil mir einfach nach feiern ist. Gründe dafür gibt es ja immer: Leckeres Frühstück, gute Musik, der Start des Blogs meines Mittbewohners…

Naja zurück zu den Projekten um die es hier eigentlich gehen soll:

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Ich kleiner unverbesserlicher Optimist…

Barack Obama

Puh, geschafft. Kurz nach elf hatte ich sechs einhalb Stunden Obama-Berichterstattung auf MSNBC hinter mir. Vom Abholen der Bushs über die Rede und die Parade bis zum Weißen Haus – die ganze Show. Mit 3D-Panorama (Das werd ich auch mal für mein Zimmer machen) und Livegetwitter
Auch wenn ich mich gerade ein bisschen durchamerikanisiert fühle und, dank des unheimlich lange dauernden Essens zwischendurch, ein bisschen müder bin als normal um diese Uhrzeit. 

Irgendwie war das in dem Ausmaß nicht geplant, ich dachte ja das geht maximal zwei Stunden oder so. Aber Tim und ich, wir hatten unseren Spaß. Man mag ja von Barack Obama halten was man will und es wird sich sicherlich herausstellen wie gut er wirklich ist, aber der Mann hat das Herz am rechten Fleck und tritt dort wo andere aus Angst bremsen direkt aufs Gas.
Ich denke beim Schwur wurde deutlich, dass er auch nur ein Mensch ist und deutlich die Last spürt die jetzt auf ihm liegt, denn der Verhaspler am Anfang hat das alles offenbart.

Und ich finds gut das alle Welt das verfolgt. Nicht wegen Amerika, und nicht unbedingt wegen dem was Obama tun wird oder was er versprochen hat. Aber dafür für was er steht und was uns ein solches Ereignis zeigt:

Es zeigt auch wie friedlich wir alle, quer über den Globus verteilt, uns für andere freuen können. Ja, in einer kalten Welt in der scheinbar alle in der Kriege, Angst und Geld regieren gibt es so etwas noch. Das lässt doch hoffen!
Es zeigt wie gleich wir doch alle sind. Ich weis, meine nächste Aussage klingt mehr als utopisch und wird sicher noch Jahrzehnte, wenn nicht ein bis vielleicht mehrere Jahrhunderte dauern, aber irgendwann ist ‚s soweit:  Vielleicht sind eines Tages die Grenzen aufgehoben und der Präsident der Vereinten Nationen der ins Amt eingeführt wird wird so bejubelt. Nicht weil er etwas ist, sondern weil er für etwas steht, das die Ziele, Wünsche und Hoffnungen von Millionen Menschen überall auf der Erde vertritt.

Verdammt Yeah, ich bin ein utopischer Optimist! Alles Gute Barack, pack den Karren an!