Zurück aus der Zukunft

Chaos Communication Camp 2011

Mein erstes Camp liegt nun hinter mir. Es wurde schon viel dazu gesagt, doch Abseits der Dinge die einem zuerst einfallen, wenn man darüber gefragt wird gibt es doch die Kleinen Dinge und Anmerkungen, die man noch machen möchte aber selten dazu kommt. Zwei Stunden im Podcast und noch lange ist nicht alles erzählt.
Deswegen dieser Eintrag, der hoffentlich noch einmal die vielen unerwähnten Wichtigkeiten hervorbringt.

Zuerst die Menschen: Nie zu vor in meinem Leben habe ich so viele wirklich von Grund auf unterschiedliche Menschen auf einem Flecken Erde gesehen. Tausende Menschen die sich in Stil und Denkweise oft wie Tag und Nacht unterscheiden und dennoch ein ganzes Packet Eigenschaften miteinander teilen. Die Neugierde mit Dingen zu experimentieren und mit altbewährten neue Grenzen zu stecken, weit, weit vor den etablierten. Den Drag untereinander das Wissen zu teilen und die Freude gemeinsam Ideen zu tauschen und so von einem neuen Gedanken zum nächsten zu gelangen. Und das alles so friedlich und mit einer Inbrunst die ich selten zuvor erlebt habe. Eine bunte Menge aus dutzenden Ländern, die versucht hinter das offensichtliche zu blicken und die sich nicht nur einer, nein, einer ganzen Batterie Lingua Franca bedient, sei es natürliche Sprachen, Programmiersprachen oder Meme. Es wird gelebt, was sonst nur ein vages Gefühl im Netz zu sein Scheint: Eine vernetzte Welt ohne physische Grenzen.
Man könnte meinen es war eine ganz eigene Energie in der Luft, nicht nur die digitalen Botschaften die per WLAN, GSM, DECT und Funk über das Camp verteilt wurden.
Fast schon wehmütig habe ich am Sonntag den alten Flughafen verlassen, weil sich diese Gemeinschaft erst in 4 Jahren wieder am selben Ort einfinden wird.

Es folgen kurze Gedanken zu bestimmten Themen:
Ein Netzwerk privater Satteliten im Orbit zum Zwecke eines globalen freien Internet ist eine wunderbare Idee. Zu oft haben wir in letzter Zeit sehen müssen wie der Zugang zu freier Information sowie die Meinungsfreiheit bedroht oder sogar eingeschränkt und schlussendlich verwährt wurde. Es wäre doch traumhaft für die freie Menschheit sich über alle geschaffenen Grenzen hinaus verständigen zu können, von jedem Ort, sei er noch so abgelegen, der Erde aus.
Allerdings kann auch Sattelitenkommunikation gestört werden. Ob ein Sattelitensignal-Jamming nicht nur lokal funktioniert sondern auch über große Gebiete hinweg kann ich keine genauen Aussagen machen, allerdings denke ich. Das wäre vielleicht leichter als alle Satteliten die für ein bestimmtes Areal zuständig sind zu zerstören, die Technologie dafür wird auch schon erprobt.
Ich frage mich auch ob man hier schnell auf einen Nenner in Sachen Frequenzspektrum, Übertragungstechnologie und Synchronisation kommen kann.
Außerdem sinken zwar die Kosten für den Payload von Raketen allerdings möchte ein Sattelit auch erst einmal erhalten werden.
Das klingt fast so als wolle ich die Idee madig reden. Mein eigentliches Zeil ist es dann doch wohle eher auf gewisse Dinge hinzuweisen die ich auf dem Camp kaum gehört habe, denn die Idee dieses Sattelitennetzwerks ist phantastisch. – Ich wäre unter den Ersten die es nutzen würden.

WE SUCK!
What we suck at, why we suck at it, and some ideas on fixing that.

Ja, verdammt Moritz hat recht, viele der Menschen von denen ich oben noch redete haben Probleme. Wir alle die wir doch diese wunderbaren Sachen machen und oft behaupten können das uns die Arbeit keine Last ist sondern jeden Tag aufs neue Spaß macht.
Wir alle die mit Technik herumspielen, die für den Großteil der Menschheit nicht nur unerschwinglich ist, sondern auch kaum verständlich. *Its magic!*
Eines unserer Probleme ist: Wir bekommen den Mund nicht auf. Wir laborieren mit uns selbst oder einer kleinen Gruppe an Ideen herum die die Welt bewegen könnten. Könnten!
Wir pushen unsere Projekte auf Github, predigen OpenSource und schreiben untereinander tausende Mails in hunderten Mailinglisten, doch außerhalb unserer kleinen Welt ahnt kaum einer von den Gefahren die wir versuchen abzuwehren oder von den Errungenschaften die in Zukunft das Leben leichter machen könnten.
Wir müssen lernen, den Menschen irgendwie das nahe zu bringen was wir da tun, warum wir es tun – und das mit genau der selben Inbrunst und Leidenschaft mit der wir unseren Ideen Leben einhauchen.
Und wir sind faul. Wir warten darauf im letzten Vortrag des Tages noch einmal leicht unterhalten zu werden. Wir warten darauf, das man uns ins Gesicht sagt was nicht stimmt und das bitte mit einem ironischen Unterton der bedeuten kann, das alles doch gar nicht so schlimm wäre.
Anstatt selbst mal darüber nachzudenken, die kurze Zeit in der wir zusammen sind auch einmal dafür zu nutzen um uns gegenseitig zu sagen was nicht stimmt, wo es hängt.
Stattdessen liest man am nächsten Tag, was andere, nicht man selbst, wieder für einen geilen Scheiß gestartet haben.

Da fällt mir ein: Ich muss weg. Endlich was schaffen!
(Eigentlich auch nur eine billige Ausrede, da ich nach einer Woche den Artikel immer noch nicht fertig habe. – Egal, das wichtigste ist wohl gesagt.)

Nation of Bloggers

Das Video wirde mir gerade zugespielt und ich musste es sofort Bloggen, weil das meiner Meinung nach ein wichtiges Thema ist, das ich auch schon seit einiger Zeit verfolge.
Der Iran ist so gespalten wie selten zu vor. Viele Teile der Bevölkerung befürworten nicht die Außenpolitik oder die Kulturpolitik ihres Landes. Doch der Widerstand gegen das was der amtierende Präsident anrichtet ist nicht leicht und meines Wissens nicht größer organisiert. Aber er ist aktiv und das schon seit Jahren.
Wir können nur hoffen, das die Gedanken von Freiheit und Gleichheit sich über die Blogs im Land ausbreiten und bei der nächsten Wahl weniger extremistische Kräfte gewinnen. Denn der Iran ist immerhin noch ein demokratisches Land.

edit1:
Hier mal eine Analyse und Map der iranischen Blogosphäre. Ist zwar schon ein paar Monate alt, passt aber wunderbar zum Thema.

edit2:
So der Artikel ist (wieder?) online. Nachdem mein crappy Internet in Kooperation mit WordPress ihn gefressen hatten -.- 

Calligraffiti

Nirgendwo treffen so viele Stilrichtungen und kulturelle Phänomene zusammen wie auf der Straße. Und keine Art der Kunst bedient sich so vieler verschiedener Elemente anderer Kunstrichtungen, als das was wir an den Wänden unserer Städte sehen.
Graffiti hatte ja schon immer Elemente von Typographie und Kalligraphie. Während Künstler wie L’Atlas oder ElTono eher in die typographischen Richtung arbeiten, habe ich jetzt jemanden entdeckt, der die Sache von Seiten der Kalligraphie her aufrollt. Niels Meulman bringt die feinen Striche an die Wand, wie ihr oben im Video sehen könnt.

Das sich in der ganzen Szene gerade etwas tut, kann man auch an L’Atlas sehen, der nicht nur mit altbewährten Stencils sondern auch mit dem „neuen Shit“ Tape arbeitet um seine typographisch anmutenden Werke direkt in eure Augen zu brennen. Streetart Berlin hat einen kleinen Bericht über ihn, den ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Reißverschluss-Kleid

Zip-Dress
Frauen haben es generell leichter, wenn es darum geht irgendwo interessante Klamotten aufzutreiben, finde ich. Und wenn man schon nichts findet kann man als Frau wenigstens noch eine der unedlich vielen herrumschwirrenden Ideen da draußen aufgreifen.

Wie dieses Zip-Dress von Sebastien Errazuriz. Das sind doch mindestens 15 Kleidungsstücke in einem.Wobei sich mit dem Prinzip auch sicher eine coole Hose machen lässt. Ein Glück ich habe einen Schneider an der Hand, mal sehn was der dazu sagt.

[via Trendygirl]

Ausverkauf auf der Straße?

”Net harse en dwarse skryf hullename op mure en glasse”  was ungefähr soviel bedeutet wie: „Nur Narren und Idioten schreiben ihre Namen auf Wände und Gläser“ können wir langsam vergessen. Denn seit dem Teile von Streetart salonfähig geworden sind sind die Narren längst nicht mehr die Künstler, sondern die irren Sammler, die wie wahnsinnige zu geifern beginnen, wenn sie ein Werk eines Künstlers „konservieren“ können.

Einige von euch werden ja sicher davon wissen, dass vor kurzem ein Banksy in Jamaika samt dazugehörigem Mauerstück kurzerhand fein säuberlich abgeflext wurde. Dann stand das gute Stück auf eBay, für irre 150.000 Dollar Sofortkauf. Weggegangen ist es dann für 5000$. Immerhin war keiner so verrückt sich sofort auf das Stück zu stürzen.

Auf jetzt.de steht mittlerweile ein Interview mit dem Typen der es verscherbelt hat und immerhin fette 10% kassiert hat. Bemerkenswert und überraschend sind die Hintergründe die dabei bekannt werden:
Banksy hätte sich respektlos gegenüber lokalen Künstlern verhalten und Star-Alluren an den Tag gelegt. Nachdem dann ein Fotograf Bilder von Banksy veröffentlicht hat um ihm eins auszuwischen, mahnte Banksy den gleich mal ab. Das scheint ja neuerdings auch groß in Mode zu sein. Deswegen hat man dann die Wand abgesägt, um dem Snob von Künstler eins auszuwischen.

So mag ich das. Es wurde endlich mal Zeit, dass die Ikone demystifiziert wird. Die Leute lieben Banksy, aber die Straße sieht auf ihn herrab. Sollen sie doch die Wände abtragen und verscherbeln, dann ist wnigstens wieder neuer Platz für frische Farbe.  Und ich denke der letzte Absatz des Interviews fasst das ganze Problem gut zusammen:


Eine Tatsache, die er ja immer noch abstreitet. Glaubst du Street-Art ist dann noch Street-Art, wenn es keine Street-Art im eigentlichen Sinne mehr ist?
Ja. Denn, dann wäre Street-Art auch keine Street-Art mehr, wenn es im Museum hängt. Street-Artists dürfen meiner Meinung nach nicht den Anspruch erheben, dass die Straße eine permanente Galerie ist, in der sie Dauerausstellungen abhalten können. Vor allem nicht Straßen, in denen sie nicht zu Hause sind. Denk mal, das würde öfter passieren, wäre es dann nicht vorbei mit der Street-Art? Die Bahn versucht ja auch seit Jahren Graffitis, teilweise echte Kunst, zu entfernen. Ohne Erfolg. In der Street-Art ist es so, dass die Leute sich immer wieder neu erfinden müssen. Das ist Teil des Spiels. Es gibt Jäger und Gejagte. Diesmal ist der Jäger eben nicht die Polizei, sondern Peter.

In diesem Sinne: „Bomb that shit! Stay rebel.“

Mein (fast) Traumhaus

Ein paar Leute wissen ja, dass ich gern ein modernes Haus, das zur Hälfte über einer Klippe hängt hätte. Mit viel Glas, viel Black-Glossy, freiem Blick auf das Meer und ‚nem Haufen toller Sachen drin.

Das PLANDA Architektenteam aus Paris und New York hat jetzt fast genau so ein Haus, wie ich es gerne hätte, konstruiert. Die Form wäre zwar nichts für mich, ist aber trotzdem richtig cool, weil das ganze Haus nach dem Albumcover von „†“ von Justice nachempfunden ist. 
Das Schmuckstück von Haus steht auf Santa Catalina Island in Kalifornien. „Justice a Cross the Coastline“ – Tolle Band, tolles Album, tolles Haus. – Ich wills haben!

I hear my music loud!

Music is my hot, hot Sex

Es ist gerade erst hell geworden und das Frühstück in eurem Magen keine halbe Stunde alt. „Das Wetter wird wieder kälter, haben die heute gebracht…“ sagt jemand vor euch. Hinter  euch Geraune, weil wieder einer in der Tür steht und der Fahrer die Tür nicht zu bekommt. – Ich drehe meinen iPod lauter:

Ja, oft höre ich Musik lieber laut (Zählt 80% Volume meines iPods wirklich als laut?). Einfach um das ganze Gelaber um mich herum nicht zu hören. Um die brummenden und quietschenden Geräusche des Busses oder der Bahn zu übertünchen und vor allem um Distanz zu dieser schnöden, oft viel zu grauen sauber geputzten Innenstadt und ihren ausdruckslosen Gesichtern.
Ich lasse mich lieber von Justice, Miyavi, Daft Punk, Hadouken und den vielen Anderen in eine bunte schillernde und aufregende Stadt entführen. Wie in einer jener Nächte in der hinter jeder Ecke ein neues Abenteuer wartet. 

Manchmal lasse ich mich von der Musik mitreißen und umtanze Geländer, Papierkörbe und andere Hindernisse. Scheiß drauf was die anderen denken! Ich habe Spaß, ich fühl mich gut, das ist Leben, auch wenn es in Strömen regnet. Irgendwie macht mich das auch anders, denn die anderen, deren Musik man zwar auch aus ihren Kopfhörern hört, ziehen genau die selben Gesichter wie alle anderen. I hear my music loud! weiterlesen