Paradigm Shift 1

Viele haben nach der Vorstellung des iPads das fehlende, bzw. für den User nicht wahrnehmbare Multitasking bemängelt. Das bloße Argument Batteriekapazität zu sparen steht zwar im Raum, zieht aber nicht mehr wirklich, denn mindestens eines von Apples Prestigeprogrammen sollte auch hinter jeder anderen Applikation laufen können: iTunes.
Sieht man davon einmal ab und betrachtet die Dinge die das Pad als disruptive Technologie verdrängen wird, erscheint das „fehlende Multitasking“ oder vielleicht besser gesagt die „1 App per Screen“ Devise ein wenig verständlicher.

Das iPad als solches ist kein vollwertiger Computer, wie ein Desktop-Rechner oder Laptop. Für diese Geräte hat sich die Desktop-Metapher etabliert – nicht zu unrecht, denn Computer fassen nun einmal alle Funktionen die man dutzende Jahrzehnte vorher mit und auf seinem Schreibtisch erledigte zusammen. Diese Metapher ist für den Großteil der User ohne großes Überlegen verständlich.
In Ordnern werden allerlei Dokumente abgelegt und die geöffneten Fenster lassen sich leicht als offene Bücher, oder herumliegende Briefe und Zettel auf einem Schreibtisch vorstellen. Die Metapher ist mittlerweile um zahlreiche Funktionen erweitert und hat an einigen Stellen nichts mehr mit dem eigentlichen Ausgangsobjekt zu tun.
Das ein Pad ist aber weniger Schreibtisch, als Objekt auf selbigen. Es hat weniger mit einem Ort zum Arbeiten zu tun, als mit einem Buch, Magazin oder einfach nur einem Blatt Papier. Es ist fast logisch, dass hier der altbewährte Desktop irgendwie fehl am Platz ist.

Ein Notizbuch ist ein Notizbuch, eine Zeitung eine Zeitung und ein Bild nur ein Bild. Alle diese Objekte habe eine Kernfunktion und man kann oft nur eines von ihnen zur selben Zeit benutzen. Von daher macht es in gewisser Weise Sinn dem Nutzer immer nur das jeweilige Objekt bzw. Ein dem Objekt entsprechendes Programm zu präsentieren, während alles andere in den Hintergrund tritt. Und so lange das Wechseln zwischen den Applikationen schnell genug geht kann man sich damit begnügen.
Dennoch fehlt etwas, das Pad bietet immer noch nicht die Funktion die man sich damit vorstellen kann. Ich kann ein Bild auf eine Zeitung legen. Also doch wieder Fenster?
Was sich bei der Bedienung von Touchscreen-Geräten zeigt, ist wie einfach damit einfache Gesten und ebenso einfache „große“ Buttons funktionieren. Doch in Fenstern sind oft unzählige Funktionen präsent und auf möglichst kleinem Raum akkumuliert. Das Prinzip funktioniert, wenn man ein wirklich eindeutiges Pointing-Device und ausreichend Screen-Estate hat, nicht aber wenn verschiedene Prinzipien der menschlichen Anatomie beachten muss. Es gibt Menschen mit großen breiten Fingern für die das Interface das iPhone das äußerste des Benutzbaren darstellt.
Den zusätzlichen Platz auf einem größeren Bildschirm für mehr Bedienelemente zu nutzen nur um etwas wie Fenster zu ermöglichen ist also der ganzen Sache abträglich.
Es gilt neue Metaphern zu finden, Metaphern die auch weiterhin benutzbar bleiben wenn Augmented Reality und Geräte die miteinander „reden“ Einzug gehalten haben.

Versuche wie das 10/GUI sind zwar ein Schritt in die Richtige Richtung, verfehlen aber noch weit das Ziel. Obwohl wichtige Elemente zukünftiger Systeme bemerkbar sind: das hierarchische Dateisystem tritt in den Hintergrund, die Geschehnisse auf dem Gerät werden als Strom oder Abfolge dargestellt und Bedienelemente sind nur vorhanden,wen sie gebraucht werden.

Hier ist innerhalb der nächsten Jahre noch einige Arbeit zu leisten.

In einem andern Bereich allerdings könnten die Tabletcomputer schon weiter sein, als sie es sind. Mit den Fingern als Eingabegerät lässt sich zwar vieles bewerkstelligen, doch es gibt für schnelle Eingaben und Notizen seit Jahrtausenden ein komfortableres Eingabegerät: den Stift. Gut, bisher waren Geräte die mit einem Stylus bedient werden konnten eher unbequem zu benutzen, was aber, wenn der Stift selbst nicht zu klein oder unbequem war, daran liegt, dass man Knöpfe und Schalter nicht per Stift bedient, denn das ist eine Bedienugsweise die nirgendwo in unserem Umfeld vorkommt. Es natürlich einen Knopf mit dem Finger zu drücken. Geräte wie Zeichentablets zeigen aber wie komfortabel sich diese Technologie benutzen lässt.
Apple arbeitet zwar daran, dennoch ist es schwer verständlich warum es dieses Feature nicht schon in die erste Version des Tablets schafft, obwohl es eines der nützlichsten wäre.

Alles in allem kann man auf die Weiterentwicklung nicht nur Apples iPads sondern aller Tablet-Devices gespannt sein. Klar ist, dass Apple derzeit wohl die Nase vorn hat, dennoch scheint die Zeit reif für einen Herausforderer.

Weitere Links:

iPad HIG

3D Desktop

Tangible User Interface

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